Kontroverse Debatte an der Hochschule – Stellungnahme des BSW zum Vortrag von Helga Baumgarten

Pressearchiv
, 4. November 2025

Halle (Saale), 03.11.2025
Die Veranstaltung am 27. 10. 2026 mit Prof. em. Dr. Helga Baumgarten an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter dem Titel „Völkermord in Gaza“ hat heftige Kontroversen ausgelöst. In der öffentlichen Debatte dominierten bislang die Darstellungen einer kleinen Gruppe Studierender aus dem Umfeld der FDP, sowie Niklas David Gießler vom Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Diese warfen der Veranstaltung Antisemitismus und Hamas-Propaganda vor.

Die Rektorin der Universität, Prof. Dr. Becker, erklärte daraufhin, die Genehmigung der Veranstaltung sei ein Fehler gewesen, und warf der Veranstalterin Dr. Claudia Wittig die Verletzung von Auflagen vor. Das BSW Sachsen-Anhalt weist diese Darstellung zurück und nimmt wie folgt Stellung:

Inhalt und Ziel der Veranstaltung

Prof. Baumgarten stellte das Urteil des unabhängigen Gaza-Tribunals vor, das Israel des Völkermords schuldig gesprochen hat. Dieses Tribunal wurde von namhaften internationalen Juristen und Wissenschaftlern getragen, darunter auch der israelische Anthropologe Prof. Jeff Halper (Universität Haifa) und wird von Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen. Es knüpft an die Tradition unabhängiger Völkertribunale an, wie sie seit dem Vietnamkrieg zur zivilgesellschaftlichen Kontrolle internationaler Politik entstanden sind.

Ziel des Vortrags war es offenbar, dessen juristische Argumentation in Deutschland bekannt zu machen – nicht, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen.

Keine Verharmlosung von Terrorismus

Baumgarten bezog sich in ihrer Analyse auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Welches tatsächlich laut mehrerer Resolutionen der UN-Generalversammlung auch bewaffneten Widerstand gegen Besatzung umfasst. Bezogen auf den 7. Oktober hob sie hervor, dass Gewalt gegen Zivilisten völkerrechtswidrig ist.

Das BSW selbst steht ausschließlich für friedliche Mittel der Konfliktlösung. Wissenschaftliche Positionen, die sich auf das Völkerrecht berufen, müssen an Hochschulen diskutierbar bleiben – auch wenn sie kontrovers sind.

Für eine offene Debattenkultur

Das Bündnis fordert eine sachliche Aufklärung der Vorwürfe und eine Rückkehr zu einem respektvollen, offenen und sachlichen Dialog. Der Begriff antisemitisch darf nicht leichtfertig oder als Kampfbegriff benutzt werden. Das sind wir gerade den Opfern von Antisemitismus schuldig.

„Hochschulen müssen Orte bleiben, an denen unterschiedliche Sichtweisen gehört werden können. Wo politische Sensibilität zur Zensur wird, verliert Wissenschaft ihren Sinn. Kritik ist nötig – Pauschalvorwürfe helfen niemandem“, sagt Thomas Schulze, Co-Vorsitzender des BSW-Sachsen-Anhalt.

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